Abmahnungen von RA Yussof Sarwari

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Christian
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Re: Abmahnungen von RA Yussof Sarwari

#141 Beitrag von Christian » Donnerstag 19. Juli 2018, 10:02

Hallo zusammen!

Ende Mai letzten Jahres bin ich auch von YS abgemahnt worden aufgrund einer vermeintlichen Urheberrechtsverletzung im Vormonat.

Ich habe die übliche Herangehensweise gewählt: Anwalt eingeschaltet, Täterschaft bestritten, modUE nicht abgegeben, anschl. Mahnbescheid abgelehnt. Vorschlag eines geringeren Mahnbetrages ebenfalls abgelehnt. Klageschrift erhalten, diese nach Verteidigungsanzeige erwiedert.

Nun steht die Güterverhandlung am Amtsgericht Koblenz im September an.

Als IT-Fachmann mit Schwerpunkt Verschlüsselung finde ich die fachliche Begründung inklusive des fragwürdigen eingesetzten Tools Fileguard 1.0.0.0 äusserst dünn. Aus der Klageschrift geht lediglich eine IP-Zuweisung zu einem Zeitpunkt hervor. Eine "nachvollziehbare" Zuweisung der IP zu meiner Adresse existiert nur in Form einer Tabelle meines Telefonanbieters. Letzterer kann natürlich den Vorgang, ausser dass die Anfrage vorhanden war, nicht mehr nachweisen. Auch eine Protokollierung der Service Ausfälle seitens Provider um einer evtl. falschen Zuweisung IP<>Adresse zu belegen existiert nicht.

Das Tool ansich ist nun auch schon 6 Jahre alt. Online-Expertise über die Arbeitsweise und Genauigkeit dieses selbstgebauten Tools konnte ich nicht finden. Mal schauen ob die Kanzlei ein gültiges Gutachten vorlegen kann.

Das Torrent-Tool welches zur Tat angeblich benutzt wurde ist eine Windows-Version. Ich nutze nachweislich nur Linux Betriebssysteme.

Leider scheint die fachliche Sicht die Gerichte wenig bis gar nicht zu interessieren wenn man die Gerichtsurteile verfolgt. Ich bin gespannt wie sich die Sache entwickelt.

Meine Fragen nun hierzu: theoretischen wie faktischen Zugriff auf mein Netz hatten Frau, Bruder sowie Nachbar. Inwiefern genüge ich der sekundären Darlegungslast? Ich kann den Wahrheitsgehalt einer Verneinung der Täterschaft nicht überprüfen - was nutzt dann die Aussage? Muss ich meiner Verwandtschaft überhaupt "hinterherschnüffeln"? Reicht eine Belehrung in diesem Falle nicht aus?

Gruß
Christian

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Steffen
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Re: Abmahnungen von RA Yussof Sarwari

#142 Beitrag von Steffen » Donnerstag 19. Juli 2018, 15:18

Meine Fragen nun hierzu: theoretischen wie faktischen Zugriff auf mein Netz hatten Frau, Bruder sowie Nachbar. Inwiefern genüge ich der sekundären Darlegungslast? Ich kann den Wahrheitsgehalt einer Verneinung der Täterschaft nicht überprüfen - was nutzt dann die Aussage? Muss ich meiner Verwandtschaft überhaupt "hinterherschnüffeln"? Reicht eine Belehrung in diesem Falle nicht aus?
Hallo Christian,

bitte beachte, dass ich - kein - Anwalt bin.

Wir haben eine dogmatische Verteidigung - gefordert durch den BGH. Dieser besagt (Kurzform):

1. es spricht eine tatsächliche Vermutung für die Täterschaft des AI -durch die Ermittlung / Gestattung und Providerauskunft

1.1. kann erschüttert werden:
a) unzureichend gesicherter Internetzugang
b) Mitnutzer, die auch als Täter in Betracht kommen können

2. aus dem Punkt zu 1. ergibt sich die sekundäre Darlegungslast
a) bestimmte Nachforschungspflicht schon mit Erhalt Abmahnung
b) umfassender und wahrheitsgemäßer Sachvortrag - in puncto einmal zu sich selbst und andermal zu den Mitnutzern - zu den vier Tatsachenmerkmalen,
aa) Nutzerverhalten,
ab) Kenntnissen,
ac) Fähigkeiten und
ad) zeitlicher Hinsicht

Jetzt prüft das Gericht ob nachvollziehbar eine anderer als der AI infrage kommt, wenn der AI selbst den Vorwurf bestreitet. Hier ist aber ersichtlich, das die Gerichte die Anforderungen an die sekundäre Darlegungslast erhöhen. Pauschale Behauptungen, theoretische Möglichkeiten oder ein Bestreiten aller Mitnutzer auf die Nachfrage des AI wird nicht reichen.

Natürlich muss man den PC der Ehefrau nicht durchsuchen, aber zu einige Dinge sollte man sie schon befragen. Irgendwie ist es ja auch logisch. Wenn der AI den Vorwurf bestreitret, alle Mitnutzer auch - dann kommt niemand als Täter infrage und die Täterschaftsvermutung geht auf den AI zurück. Deshlab ist es auch emenz wichtig - mit Klageschrift - einen Anwalt zu beauftragen.


VG Steffen

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Re: Abmahnungen von RA Yussof Sarwari

#143 Beitrag von Fightforright1234 » Samstag 15. September 2018, 22:56

Was kam bei dir raus? Würd mich mal interessieren wie der Richter bei dir so getickt hat. Hätte man bei meinem irgendwas von den IP Adressen erzählt, dann hätte der Richter (okay in meinem Fall Richterin) erstmal gefragt was das sein soll. Die hatte da gar keine Ahnung dazu. Es ging in dem Fall auch gar nicht darum, sondern nur wie viel ich zahlen soll. Das ich unschuldig bin, das wäre der Richterin niemals in den Sinn gekommen.

Christian
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Re: Abmahnungen von RA Yussof Sarwari

#144 Beitrag von Christian » Donnerstag 20. September 2018, 19:07

Die Güterverhandlung verlief recht neutral und ereignislos. Dauerte insgesamt 15min. Der Richter ging nur auf Tatsachen ein.

Die Gegenseite hatte natürlich nur einen Unterhändler vor Ort. Der konnte argumentativ auch recht wenig beitragen.
Mein Argument, dass das "Tatwerkzeug" unter Linux nicht funktioniere wurde nicht bestritten und gilt damit als erwiesen laut Richter. Lediglich die alleinige Nutzung von Linux wurde von der Gegenseite bestritten.

Der Entscheidungsfindungstermin steht nun noch an. Entweder werden noch Zeugen geladen oder der Richter entscheidet direkt. Alleine vom argumentativen Sprachgebrauch des Richters male ich mir hoffnungsvoll gute Chancen aus. Ich werde das Ergebnis sicherlich mitteilen.

Für mich als "Leidtragender": Ich habe über die Nutzung von VPN nie sonderlich nachgedacht. Jetzt ist das tatsächlich ein Thema bei meinen Geräten - und sei es nur um ein Totschlagargument in der Hand zu haben falls so ein Fall noch einmal eintrifft.

Gruß
Christian

tsad
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Re: Abmahnungen von RA Yussof Sarwari

#145 Beitrag von tsad » Freitag 21. September 2018, 19:59

Christian hat geschrieben:
Donnerstag 20. September 2018, 19:07
Für mich als "Leidtragender": Ich habe über die Nutzung von VPN nie sonderlich nachgedacht. Jetzt ist das tatsächlich ein Thema bei meinen Geräten - und sei es nur um ein Totschlagargument in der Hand zu haben falls so ein Fall noch einmal eintrifft.
Die Idee ist gut, wird aber nichts bringen. Die Gegenseite wird immer alles bezweifeln. Dann heißt es lapidar: Zu dem Zeitpunkt war halt das VPN nicht aktiv und du bist ohne VPN unterwegs gewesen.

Das ist doch die typische Strategie:
Kind im Haus: Belehrung wird bezweifelt
Du warst nachweislich im Urlaub: Computer kann auch bei Ortsabwesenheit zum Filesharing benutzt werden
Es wird schlicht angezweifelt, dass ein Familienmitglied zum behaupteten Tatzeitpunkt den eigenen Computer benutzt hat, denn Filesharing kann von Familienmitgliedern nur betrieben werden, wenn sie auch am Computer sitzen.

Vor allem die letzten beiden Argumente tauchen in schöner Regelmäßigkeit in Verfahren auf. Dass da noch kein Richter merkt, dass er für dumm verkauft werden soll? Anscheinend ist es nur dem Beklagten möglich, Filesharing zu betreiben, wenn er nicht an seinem Computer sitzt. Alle Familienmitglieder können das natürlich nicht.

Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte...

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